Wann genau ist uns die Freude am Tanzen abhanden gekommen? Wann haben wir verlernt Jung und Alt durch Bewegung und Musik zusammen zu bringen? Ich werde jedes Mal an die therapeutische Wirkung des Tanzes erinnert, wenn ich auf einer Party in Angola bin: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, keiner bleibt sitzen, keiner bleibt allein. Es wird gelacht und geschwitzt, gespielt, geflirtet und Spass gehabt, neue Schritte werden ausprobiert oder erfunden, die neusten Lieder verglichen, gepriesen oder kritisiert. Der populärste Tanz hier heißt „Kizomba“, und dessen Vorgänger Semba. Und was wird bei euch so getanzt, Sandra? Ehm… vielleicht wäre es an der Zeit in Europa mal wieder einen neuen Stil zu erfinden!
Saturday, 27 March 2010
Tanz
Friday, 5 March 2010
Schule
Ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern, wie unangenehm es war in der 7. oder 8. Klasse früh morgens aufzustehen um dann stundenlang Mathe, und Geschichte, und Geographie, und was man noch so alles lernen konnte, über sich ergehen zu lassen. Der beliebteste Moment des Tages war die große Pause und manchmal war der Sportunterricht auch ganz lustig. Natürlich sind die angolanischen Schüler da nicht viel anders: für die meisten ist Fussball interessanter als Biologie, und wenige freuen sich auf einen bevorstehenden Grammatiktest oder darauf, während des Portugiesischunterrichts an die Tafel gerufen zu werden. Es gilt, die Lehrer mit den neuesten „Techniken“ des Abschreibens „auszutricksen“ und möglichst wenig Zeit mit Hausaufgaben zu verbringen, dafür um so mehr mit Spielen.
Umso gerührter war ich, als vor einigen Tagen einer meiner Wächter mit ernster Miene zu mir kam und mich bat, seinen Arbeitsplan ein wenig umzustellen. Zu Beginn des neuen Schuljahrs möchte sich dieser junge Mann nämlich zur 7. Klasse anmelden, nach über 10 Jahren „Pause“. Der Unterricht beginnt täglich um 18 Uhr und dauert bis knapp 23 Uhr. Seine Klassenkameraden sind alle viel jünger als er, und es ist nicht schwer sich vorzustellen, sie seien auch schneller und aufgeweckter. Miguel hat sich aber von seinem letzten Gehalt schon Hefte und Stifte gekauft, und ein Paar neue Schuhe, da man ja nicht mit alten Gummistiefeln zum Unterricht erscheinen kann. Der einzige Grund dies alles auf sich zu nehmen ist nicht „zurück zu bleiben“, denn Miguel wird dadurch wahrscheinlich keine Möglichkeit auf einen besseren Job haben, oder mehr zu verdienen. Ich bewundere seinen Mut und seine Willenskraft und hoffe, dass er bis zum Ende des Schuljahres „durchhalten“ wird und mit fliegenden Fahnen in die 8. Klasse versetzt werden wird.
Wednesday, 27 January 2010
Adam und Eva
„Wir alle stammen doch von Adam und Eva?“ So sehr diese Frage nicht unbedingt eindeutig zu beantworten ist, fand ich es heute Nachmittag dann doch schwierig sie vollständig zu verneinen. Also, „im bildlichen, religiösen Sinne…“ „Und schließlich sind Adam und Eva doch weiß.“ Bei dieser überzeugten Feststellung des jungen angolanischen Englischlehrers der mir gegenüber saß, musste ich erst mal schmunzeln. Und dann überlegen…Warum sollten Adam und Eva eigentlich weiß sein? Das fragte ich ihn dann auch, und als Antwort kam ein überzeugtes „so werden sie doch in den vielen Bildern dargestellt“. Es folgte eine ziemlich beunruhigende Theorie seinerseits über das „besser sein“ der Weißen, da weiß doch Gottes Wahl als Farbe Adam und Evas gewesen sei… Damit wären „wir Weißen“ wahrscheinlich aber auch Schuld an der Verdammnis der Menschheit, oder? Ich war mir dann aber doch nicht sicher ob ich diese „Weisheit“ mit meinem Gegenüber teilen wollte: vielleicht hätte er mich ja dann doch ernst genommen!
Wednesday, 6 January 2010
Die teuerste Stadt der Welt
Es wird vielen schwer fallen zu glauben, dass Luanda aktuell die teuerste Stadt der Welt ist… Und doch, in Luanda ist Brot teurer als in London oder Tokio. Ein Haus zu kaufen oder eine Wohnung zu mieten, ist teurer als an sonst einem Ort auf der Welt. Für die meisten der 4 Millionen Bewohner der angolanischen Hauptstadt ist ein Paar neue Schuhe ein seltener Luxus, und selbst Bananen, Mangos, Tomaten und Maismehl (alles nationale Produkte) alles andere als erschwinglich.
Eine winzige Minderheit, hingegen, fliegt zum Frisör nach Lissabon oder New York, kauft gedankenlos Golduhren und Autos, Schmuck und Wohnungen, lässt sich in den teuersten Hotelsuiten in Europa und den USA das Champagnerfrühstück ans Bett bringen, und hat seit langem vergessen dass es möglich ist mit einem Dollar pro Tag zu überleben, selbst in Luanda.