Ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern, wie unangenehm es war in der 7. oder 8. Klasse früh morgens aufzustehen um dann stundenlang Mathe, und Geschichte, und Geographie, und was man noch so alles lernen konnte, über sich ergehen zu lassen. Der beliebteste Moment des Tages war die große Pause und manchmal war der Sportunterricht auch ganz lustig. Natürlich sind die angolanischen Schüler da nicht viel anders: für die meisten ist Fussball interessanter als Biologie, und wenige freuen sich auf einen bevorstehenden Grammatiktest oder darauf, während des Portugiesischunterrichts an die Tafel gerufen zu werden. Es gilt, die Lehrer mit den neuesten „Techniken“ des Abschreibens „auszutricksen“ und möglichst wenig Zeit mit Hausaufgaben zu verbringen, dafür um so mehr mit Spielen.
Umso gerührter war ich, als vor einigen Tagen einer meiner Wächter mit ernster Miene zu mir kam und mich bat, seinen Arbeitsplan ein wenig umzustellen. Zu Beginn des neuen Schuljahrs möchte sich dieser junge Mann nämlich zur 7. Klasse anmelden, nach über 10 Jahren „Pause“. Der Unterricht beginnt täglich um 18 Uhr und dauert bis knapp 23 Uhr. Seine Klassenkameraden sind alle viel jünger als er, und es ist nicht schwer sich vorzustellen, sie seien auch schneller und aufgeweckter. Miguel hat sich aber von seinem letzten Gehalt schon Hefte und Stifte gekauft, und ein Paar neue Schuhe, da man ja nicht mit alten Gummistiefeln zum Unterricht erscheinen kann. Der einzige Grund dies alles auf sich zu nehmen ist nicht „zurück zu bleiben“, denn Miguel wird dadurch wahrscheinlich keine Möglichkeit auf einen besseren Job haben, oder mehr zu verdienen. Ich bewundere seinen Mut und seine Willenskraft und hoffe, dass er bis zum Ende des Schuljahres „durchhalten“ wird und mit fliegenden Fahnen in die 8. Klasse versetzt werden wird.
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