
Wenn man als Europäer eine afrikanische Großfamilie sieht, fühlt man sich gleich etwas schuldig: sind wir mittlerweile so egoistisch und selbstsüchtig geworden, dass wir nicht den Mut haben Kinder in die Welt zu setzen? Sind der gehobene Lebensstandard und die damit verbundenen Kosten wirklich eine gute Entschuldigung um sich mit 1.2 Kindern pro Familie zufrieden zu geben? Sollten wir nicht von denen lernen die, trotz Armut, mit 6, 7, 12 Kindern immer noch nicht genug zu haben scheinen? Sollten Kinder nicht als Segen statt als Last gesehen werden?
In Angola habe ich aber auch die andere (dunkle) Seite der Medaille kennen gelernt: die Anzahl der Kinder hat nicht unbedingt mit Kinderliebe oder Optimismus zu tun. Wenn man eine Mutter oder einen Vater fragt warum sie so viele Kinder hätten, lautet die Antwort meist dass es nötig sei viele Kinder zu bekommen, da ein Teil davon es einfach nicht bis zum erwachsenen Alter schafft. Krankheiten, Hygienemangel, dreckiges Wasser, Frühgeburten, Entfernung zum nächsten Krankenhaus, Ignoranz führen dazu dass die Sterberate der Kinder unter 5 Jahren in Angola eine der höchsten der Welt ist. Es gibt kaum eine Mutter, die nicht schon ein Kind verloren hätte, oft ohne zu wissen warum oder wie es sich hätte vermeiden lassen. Da es oft an den Mitteln und an dem Wissen fehlt, Kinder (gesund) am Leben zu erhalten, wird einfach damit gerechnet, dass einige gehen werden und erhöht deshalb die „Produktion“. Statistik in ihrer einfachsten und brutalsten Ausdrucksweise.